Berliner SPD beschließt Antrag für Digitale Lernmittelfreiheit

Im Rahmen des Landesparteitags der Berliner SPD am 27. Oktober 2012 wurde ein umfassender Antrag mit dem Titel „Digitale Lernmittelfreiheit jetzt umsetzen!“ (PDF, S. 83f.) besprochen – in dieser Klarheit eine Premiere in Deutschland. In der Antragsbegründung heißt es:

Die Berliner SPD fordert deshalb eine umfassende Evaluation von freien schulischen Lehrmitteln und deren Einsatz im
Land Berlin besonders in Hinblick auf edukative und volkswirtschaftliche Innovationspotentiale. Hierzu wird der Senat
beauftragt unter Einbeziehung aller relevanten Bezugsgruppen (Lehrer, Lehrerverbände, Schüler, Eltern, Fachverlage
etc.) ein ein- bis zweijähriges Evaluierungsverfahren durchführen.

Den Anfang sollen dabei Offene Lernunterlagen (Open Educational Resources, OER) in Berliner Grundschulen machen. Daneben findet sich in dem Antrag die Aufforderung an die SPD-Bundestagsfraktion sich für eine Verbesserung der Schrankenregelung des §52a Urheberrecht einzusetzen sowie an den Senat der Stadt Berlin als erstes deutsches Bundesland die „Capetown Declaration for Education“ zu unterzeichnen.

Die Annahme des Antrags ist nicht nur ein Erfolg für die AntragsstellerInnen vom Berliner Forum Netzpolitik sondern hoffentlich richtungsweisend für deutsche Bildungspolitik auch jenseits von SPD und Berlin.

 

 

28. Oktober 2012 von Leonhard Dobusch
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Dossier zu Open Educational Ressources auf #PB21

Am Portal #PB21, das gemeinsam von der Bundeszentrale für politische Bildung und dem DGB-Bildungswerk betrieben wird, haben Jöran Muuß-Merholz und Jaana Müller ein Dossier zum Thema Open Educational Ressources veröffentlicht. Sie versammeln dort Informationen über Creative Commons, liefern eine kleine „internationale Rundschau“ über Open Educational Ressources (OER) in verschiedenen Ländern und verlinken auf Gespräche mit ExpertInnen zum Thema.

Die Motivation für die Erstellung des Dossiers liest sich wie folgt:

„Das Bearbeiten und Weitergeben von Lehr-Lern-Unterlagen ist im Sinne des kollegialen Austauschs eine verbreitete Praxis, ob in der Schule oder in der Bildungsarbeit, ob auf Papier oder digital. Mit digitalen Werkzeugen und digitalen Inhalten ist das Bearbeiten und Weitergeben viel einfacher geworden. Gleichzeitig setzt das Urheberrecht im digitalen Bereich rigidere Grenzen. (Was erlaubt und was verboten ist, dokumentieren die Websites kopier-regeln.de für die Erwachsenenbildung und schulbuchkopie.de für die Schule.)

Als Alternative entdecken immer mehr Menschen Materialien, deren Lizenzen das Kopieren und Weitergeben, häufig auch das Bearbeiten und bisweilen sogar das Verkaufen ausdrücklich gestatten. Solchen sogenannten OER – Open Educational Resources, also freien oder offenen freien Bildungsmaterialien widmet sich dieses Dossier mit Artikel, Video-Interviews und Podcasts von pb21.de und werkstatt.bpb.de. Neben Einführungen ins Thema, Gesprächen mit Praktikern und Berichten aus anderen Ländern finden Sie darin auch eine Einladung zu einer Veranstaltung.“

Alles in allem, ein nettes Kompendium zum Einstieg in die Thematik.

20. Oktober 2012 von Leonhard Dobusch
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bpb-Werkstatt zu ‚Digitaler Bildung in der Praxis‘

Unter werkstatt.bpb.de beschäftigt sich seit kurzem die Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit der Kooperative Berlin, Lichtschliff e.V. mit dem Thema der Vermittlung von „Zeitgeschichte und Politik im Alltag deutscher Schulen und in der außerschulischen Bildung vor dem Hintergrund aktueller Herausforderungen wie Migration und Digitalisierung.“

Zu diesem Zweck arbeiten das ganze Jahr über Partnerschulen an den Inhalten der Werkstatt mit. Besonders erfreulich ist aber, dass gleich zu Beginn die Frage der freien Zugänglichkeit digitaler Lernunterlagen auf der Agenda steht. So berichtet beispielsweise Jaana Müller ausführlich vom jüngsten #OER-Camp in Bremen:

Besonders beeindruckend war beispielsweise die Session zum Onlineportal „tacitus.cc“. Hier stellten drei Schüler ihr eigens initiiertes Internetportal vor. Es entstand aus der Idee heraus, die erstellten Lernblätter vor Klausuren mit den Mitschülerinnen und -schülern teilen zu können. Dafür erstellten sie ein Weblog, auf dem alle Lernenden ihrer Schule die eigenen Lernmaterialien hochladen und die anderer herunterladen können. Die Lernblätter stehen unter der Creative Commons-Lizenz. Die Schüler kreierten ein Portal für OER, ohne dies zu wissen. Nach anfänglicher Skepsis und dem Verdacht, es ginge bei der Initiative der Lernenden nur um Abschreiben, meldeten sich auch einige Lehrerinnen und Lehrer im Portal an. Aus dem Vorstoß der Schüler entstand neben dem Lernportal ein Online-Vertretungsplan und ein Nachhilfeportal, bei dem sich Schülerinnen und Schüler eintragen können, um ihre Hilfe in bestimmten Schulfächern anzubieten.

Auch Leonhard Dobusch, Autor des D64-White-Papers zu Digitaler Lehrmittelfreiheit ist auf werkstatt.bpb.de vertreten und zwar mit einem Gastbeitrag zum Thema „Open Education in den USA: Viele Akteure für ein Ziel„.

24. September 2012 von Leonhard Dobusch
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Siegervideos von ‚Why Open Education Matters‘ stehen fest

Die Siegervideos des Wettbewerbs „Why Open Education matters“ stehen fest. Gewonnen hat ein eher braves Video, das wir aber auch in der Liste unserer Lieblingsvideos angeführt hatten:

Die Plätze 2 und 3 hatten wir nicht auf der Rechnung:

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18. Juli 2012 von Leonhard Dobusch
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Diplomarbeit zu Offenen Lernunterlagen im sekundären Bildungsbereich

In der von Martin Ebner und Sandra Schön herausgegebenen Reihe „Beiträge zu offenen Bildungsressourcen“ ist kürzlich die Diplomarbeit von Barbara Rossegger erschienen, die darin ein „Konzept für Open Educational Resources (OER) im sekundären Bildungsbereich“ vorlegt. Konkret versucht sich die Arbeit an der Entwicklung eines Kriterienkatalogs für OER erstellt, der in die Entwicklung eines „OER-Quality-Index“ mündete. Im Ergebnis zeigt sich, wie an dieser Stelle auch schon mehrfach angemerkt, noch großer Aufklärungs- und Handlungsbedarf:

Bei der Analyse stellte sich heraus, dass sehr viele Bildungsmaterialien im Internet zur Verfügung stehen, jedoch nur wenige die Kriterien erfüllen, um als OER definiert zu werden. Insgesamt konnten nur zwölf der 46 untersuchten Webseiten als Open Educational Resources deklariert werden.

Dem Thema entsprechend gibt es das Creative-Commons-lizenzierte Buch nicht nur als Book-on-Demand zum Preis von € 16,90 zu bestellen, sondern auch als PDF-Download.

13. Juli 2012 von Leonhard Dobusch
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#OERcamp in Bremen zu digitalen und offenen Lehr-Lern-Materialien

Das von Google finanzierte Internet & Gesellschaft Co:llaboratory veranstaltet von 14.-16. September 2012 zusammen mit der Universität Bremen und EduCamp e.V. ein Barcamp „zu digitalen und offenen Lehr-Lern-Materialien“. In der Vorankündigung heißt es dazu:

Lehrende sind Remix-Künstler. Sie suchen nach guten Lernmaterialien, sie produzieren selber welche und stellen daraus immer wieder neue Kombinationen zusammen, um Lernenden optimale Ressourcen zu bieten. Im digitalen Zeitalter gibt es für das Bearbeiten, Zusammenstellen und auch den Austausch von Lehr-Lern-Materialien großartige Werkzeuge und Plattformen.
Doch ganz einfach ist die Arbeit mit digitalen Lehr-Lern-Materialien in der Praxis nicht. Urheberrechtliche Bestimmungen setzen hohe Hürden, Plattformen sind häufig unübersicht, die Qualität der frei verfügbaren Materialien ist höchst unterschiedlich und bisweilen fehlt auch noch die eine oder andere Baustein in der Medienkompetenz, um Materialien selber zu erstellen, zu bearbeiten und in die Welt zu setzen.
Unter dem Begriff Open Educational Resources (OER)entsteht derzeit weltweit eine Bewegung, die viele der genannten Probleme lösen möchte.

Initiiert wurde das Barcamp von jener Co:llaboratory-Arbeitsgruppe („Ohu“) zu Digitale Integration und Medienkompetenz, in deren Kontext auch das ausführliche White Paper von Bretschneider et al. zu „Open Educational Resources (OER) für Schulen in Deutschland“ entstanden ist.

01. Juli 2012 von Leonhard Dobusch
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Publikumsabstimmung bei ‚Why Open Education Matters‘

Wie bereits an dieser Stelle berichtet, haben das US-Bildungsministerium gemeinsam mit Creative Commons, der Open Society sowie der Participatory Culture Foundation einen Video-Wettbewerb zum Thema “Why Open Education Matters” ausgerichtet. Die Frist zur Einreichung von Videos ist bereits seit ein paar Wochen abgelaufen, seit kurzem stehen 61 Videos zur Publikumsabstimmung bereit.

Wir haben uns einmal durch die Videos geklickt und die folgenden Perlen aus der Masse an Einreichungen gefischt:

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26. Juni 2012 von Leonhard Dobusch
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Cyfrowa Szkoła: Polnische Regierungsinitiative „Digitale Schule“ nutzt offene Lizenzen

Auf der Homepage von Creative Commons Polen finden sich seit kurzem neue Informationen in englischer Sprache über das im April diesen Jahres präsentierte Projekt „Cyfrowa Szkoła“ („Digitale Schule“, vgl. einen Bericht am Hyperland-Blog). Der vollständige Titel des Programms lautet „Regierungsprogramm zur Förderung der Kompetenzen von Schülern und Lehrkräften im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien.“ Die Bereitstellung von Lernmaterialien unter einer Creative-Commons-Lizenz ist deshalb auch nur ein Teil des Gesamtprojekts, das unter der Ägide des polnischen Bildungsministeriums umgesetzt wird.

Wie auch im D64-White-Paper zu digitaler Lehrmittelfreiheit vorgeschlagen, stehen am Beginn des Projekts Pilotversuche. Vorerst werden 380 Grundschulen mit zeitgemäßer IT-Infrastruktur ausgestattet, Lehrkräfte werden geschult und neue Unterrichtsmaterialien im Wert von 56 Mio. Złoty (ca. 13 Mio. Euro) werden erstellt. Ähnlich wie in Deutschland werden auch in Polen derzeit Schulbücher von kommerziellen Schulbuchverlagen erstellt und von öffentlicher Seite zertifiziert. Die Lehrkräfte dürfen in Polen dann aus der Liste zugelassener Lehrbücher wählen und die Eltern der SchülerInnen tragen die Kosten, wobei es Subventionen für Geringverdiende gibt.

Cyfrowa Szkoła sieht nun die Erstellung von drei verschiedenen Typen von offenen Lernmaterialien vor: Weiterlesen →

18. Juni 2012 von Leonhard Dobusch
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Wegweiser zu Offenen Lernunterlagen im Hochschulbereich

Wie bereits mehrfach erwähnt hinkt Deutschland im internationalen Vergleich hinterher, wenn es um Förderung und Angebot an offen lizenzierten Lehr- und Lernunterlagen geht. Das wird mittelbar auch an einem Wegweiser zu online offen verfügbaren Lernunterlagen deutlich, den Eleanor J. Goldberg and Michael LaMagna für die Vereinigung der US-College- und Forschungsbibliotheken erstellt haben. Denn die dort verlinkten Inhalte sind vor allem eines: englischsprachig.

Alleine schon der Systematik wegen und um zu zeigen, was sich außerhalb Deutschlands im Bereich offener Lernunterlagen tut, im folgenden eine gekürzte Fassung dieses Wegweisers, ergänzt um ein paar eigene Kommentare.

Komplette Kursunterlagen (inkl. didaktischer Materialien)

  • Connexions: Pionier mit über 17.000 Objekten, seit 1999 online
  • MIT OpenCourseWare: Unterlagen zu über 2.000 Kursen des Massachusetts Institute of Technology (MIT), allerdings in unterschiedlichem Umfang; in der Kritik wegen der Wahl des Creative Commons NonCommercial-Moduls, das die Kombination mit anderen Lernunterlagen erschwert.
  • MITx: In diesem weiteren MIT-Portal werden nicht nur Lernunterlagen angeboten, sondern die Absolvierung von Kursen samt Zertifizierung; sie zählt damit zum Bereich der Massively Open Online Course (MOOC) Bewegung.
  • Open Course Library: 42 Kurse von staatlichen Hochschulen des US-Bundesstaats Washington als Auftakt eines 2011 gestarteten Projekts, sämtliche staatlichen Kursunterlagen unter der offenen Creative-Commons-Namensennenungslizenz (CC-BY) vergübar zu machen.
  • Saylor Foundation: private US-Stiftung, die für die Absolvierung von kostenlosen Online-Kursen Zertifikate vergibt.

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12. Juni 2012 von Leonhard Dobusch
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Entwurf für UNESCO-Deklaration zu Open Educational Resources

White-Paper-Autor Leonhard Dobusch berichtet auf netzpolitik.org vom bevorstehenden UNESCO-Kongress zum Thema offene Lehr- und Lernunterlagen (Open Educational Resources, OER) in Paris. Bereits vorab wurde der Entwurf einer Deklaration veröffentlicht, die zehn konkrete Forderungspunkte an die UNESCO-Mitgliedsländer auflistet. Die bloße Liste der von Leonhard übersetzten Forderungspunkte sieht wie folgt aus:

  1. Bekanntheit und Nutzung von OER fördern
  2. Rahmenbedingungen für ermöglichenden Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie schaffen
  3. Entwicklung von OER-Strategien und -Policies verstärken
  4. Offene Lizenzen verbreiten und verwenden
  5. Aufbau von Institutionen für eine nachhaltige Entwicklung qualitativ hochwertiger Lernmaterialien fördern
  6. Strategische Allianzen für OER knüpfen
  7. Erstellung and Anpassung von OER in einer Vielfalt an Sprachen und kulturellen Kontexten anregen
  8. Forschung zu OER unterstützen
  9. Suche, Bereitstellung und Teilen von OER fördern
  10. Öffentlich finanzierte Lernunterlagen offen lizenzieren
Derzeit ist es noch möglich bzw. erwünscht, den Deklarationsentwurf zu kommentieren.

05. Juni 2012 von Leonhard Dobusch
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